Fukushima ist überall!
Kommentar hinzufügen 30. March 2011
„Restrisiken“ und „Protokollfehler“
Das Wiedererstarken der Anti-Atomkraft- Bewegung ist im Grunde traurig. Wie mensch sich das „kalkulierbare Restrisiko“ vorzustellen hat, ist jetzt mal wieder deutlich geworden. Dass sich in Deutschland (und überall auf der Welt) immer noch so vehement an Atomkraft, diesen Energie-Dinosaurier aus dem letzten Jahrtausend, geklammert wird und es anscheinend nach Harrisburg und Tschernobyl den Super- GAU in Fukushima braucht, damit die Bundesregierung endlich aufwacht – auf Drängen der Bevölkerung wohlgemerkt – ist unfassbar. Wenn sie denn aufwacht. Geradezu unverschämt und verhöhnend sind dabei die Wahlkampfmanöver von Schwarz-Gelb: Ein Moratorium wird eingerichtet, die Laufzeitverlängerung für drei Monate ausgesetzt, um die Bevölkerung zu beschwichtigen. Und dann? Alles so weiter wie vorher? – Genau dies erklärte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) indirekt beim Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), dem typischen FDP- Klientel also, an und berief sich später, als die Frechheit ans Licht kam, auf „Protokollfehler“. Doch es handelt sich bei Brüderles Äußerungen leider nicht um den wirren Einzelfall eines alten Mannes, der die Welt nicht mehr versteht: die Atom- Krise hat System!
Das Problem steckt im System
Solange das Streben nach kurzfristigem Gewinn, der Anhäufung schier unfassbarer Mengen von Kapital, vor die Sicherheit von Menschen und die Zukunft eines gesamten Planeten gestellt wird, solange wird es Kernkraft geben. Die blinde Raffgier der ManagerInnen und Vorstandsmitglieder der großen Stromkonzerne, der Mitglieder des BDI und des Deutschen Atomforums, ist eines der eindrucksvollsten Beispiele für die Krankhaftigkeit des Kapitalismus an sich. Sie zeigt deutlich auf, warum das ganze zum Scheitern verurteilt ist: Weil der Profit im Zweifelsfall immer mehr wert ist als der Mensch. Weil ein verstrahlter Dollar im Zweifelsfall mehr wert ist als ein Menschenleben. Da ist es nachvollziehbar, dass die DemonstrantInnen vor der Hamburger Vattenfall- Zentrale in der Mönckebergstraße neben den altbekannten Forderungen wie „Atomkraft? – Nein danke!“ auch plakatives wie „Vattenfall enteignen!“ und „Kapitalismus abschaffen!“ rufen.
Sicher ist nur die Unsicherheit
Fukushima ist überall. Atomkraft ist niemals sicher. Nirgendswo. Schon sind wieder die zynischen Kommentare zu hören: „Was in Japan passiert ist, das ist furchtbar. ABER bei uns in [beliebiges Land einsetzen] kann so etwas nicht passieren.“ Auch von deutschen PolitkerInnen und aus der Bevölkerung sind solche Aussagen jetzt allerorten zu hören, manchmal noch ergänzt um Aussagen wie „Unsere AKW sind auf dem neusten Stand der Technik“ oder „In Baden- Württemberg gibt es keine Tsunamis“. Dabei werden natürlich Studien außer Acht gelassen, die eindeutig zeigen, dass die AKW z.B. einem Flugzeugabsturz oder einem Hochwasser (Beispiel: AKW Unterweser) nicht standhalten würden.
Die Lüge vom sauberen, CO2- neutralen Atomstrom
Und auch die Lüge vom sauberen Atomstrom wird wieder aus der Schublade geholt. Schon die sich häufenden Fälle von Leukämieerkrankungen in der direkten Umgebung von AKW, entkräften sie. Genauso wie die die radioaktive Salzlauge, die in der Asse in Gorleben überall von der Decke tropft, die tausenden und abertausenden Tonnen radioaktiven Mülls, die unseren NachkommInnen noch hunderttausende von Jahren erhalten bleiben werden und für die immer noch kein sicheres Endlager gefunden ist.
Besonders perfide wird es, wenn die vermeintliche CO2- Neutralität von Atomenergie ins Spiel gebracht wird. Wir bräuchten Kernkraft fürs Klima. JedeR die/der sich mal damit beschäftigt hat, wie Uran abgebaut wird, weiß um die Absurdität dieser Aussage.
Zudem werden beispielsweise in Namibia oder Niger ganze Landstriche beim Uranabbau verwüstet und verstrahlt. Auch westliche (Staats-)Konzerne beteiligen sich daran.
Handeln. Jetzt!
Die Initiative „.ausgestrahlt“ rief zu einer Demonstration am Samstag, dem 26. März 2011, in Köln, Hamburg, Berlin und München auf. Unter dem Motto „Fukushima mahnt: Alle AKW abschalten“ demonstrierten 250.000 Menschen gegen Atomkraft. An der Demonstration durch die Hamburger Innenstadt, an der sich 50.000 Menschen beteiligten, nahmen auch die Hamburger und Harburger Jusos teil.
Alle AKW müssen so schnell wie möglich abgeschaltet werden, dieser Forderung schließen sich die Jusos an. Für den Ausstieg muss weiterhin gekämpft werden, denn Atomkraft ist keine Brückentechnologie, sondern der Tod.
Dass Olaf Scholz bei seiner Regierungserklärung am 23.3.2011 erklärte, Brunsbüttel und Krümmel dürften nie wieder ans Netz gehen und Hamburg werde sich an einer Bundesratsinitiative gegen die Laufzeitverlängerung beteiligen, ist ein Schritt in die richtige Richtung und gibt – genauso wie die wiedererstarkte Atomkraftbewegung – Hoffnung auf eine unverstrahlte Zukunft mit erneuerbaren Energien. Wenn wir alle mitziehen.
Webseite von .ausgestrahlt: http://www.ausgestrahlt.de/
Informationen zum Wechseln des Stromanbieters: http://www.atomausstieg-selber-machen.de/




